Protonenpumpenhemmer – das unterschätzte Risiko
Jeder Dritte in Deutschland leidet regelmäßig unter gastrointestinalen Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer übermäßigen oder aufsteigenden Magensäure stehen, wie bspw. Sodbrennen, Reflux oder Magenschleimhautentzündungen. Säureblocker, sogenannten Protonenpumpenhemmer (PPI’s) gelten in diesen Fällen als Mittel erster Wahl und gehören zur Standardtherapie, um die Bildung von Magensäure zu verringern.
Die PPI’s hemmen die Protonenpumpe im Magen und unterdrücken damit vollständig die Magensäureproduktion. Bekannt sind die PPI’s unter ihren Wirkstoffnamen wie Pantoprazol, Omeprazol, Lansoprazol oder Esomeprazol. Sie wirken meist sehr zuverlässig mit anhaltender Wirkung und können in geringer Dosis inzwischen sogar rezeptfrei erworben werden.
Erkrankungen und Anwendungsgebiete
Klassische Indikationen sind
· typische Refluxsymptome
· Refluxösophagitis
· funktionelle Dyspepsie
· Helicobacter-pylori-Infektionen oder
· Zollinger-Ellison-Syndrom
· Ulkusblutungen
Sie werden auch prophylaktisch als Magenschutz bei längerer Einnahme von Schmerzmitteln eingesetzt oder im klinischen Kontext, bspw. in der Intensivmedizin zur Vorbeugung einer Stress-Ulkus-Blutung eingesetzt.
Die zuverlässige Wirkung bei meist guter Verträglichkeit hat jedoch dazu geführt, dass die Verordnungen von PPI’s über Jahre stetig gestiegen sind. Im Jahr 2025 wurden schätzungsweise rund 3,8 Milliarden Tagesdosen verordnet; 2015 waren es noch 13,4 Millionen. Manche Quellen sprechen sogar von bis zu einer Verfünffachung innerhalb von 10 Jahren.
Naturheilkundliche Einordnung
Im Anamnesegespräch mit neuen Patienten bin ich oft überrascht, wie viele Patienten die Säureblocker auf ihrem Medikamentenplan stehen haben. Denn bei allen Vorteilen, die diese Medikamente im Einzelfall bieten kann und darf man die Nebenwirkungen nicht außer Acht lassen.
Nebenwirkungen
Die kurzzeitige Einnahme von PPI’s gilt gemeinhin als gut verträglich. Dennoch führt eine längerfristige Einnahme nicht selten zu:
· Vit B12 Mangel
· Vit D3 + K2 Mangel
· Calcium Mangel
· Verminderung weiterer Mikronährstoffe wie Selen, Zink, Magnesium, Vit C
· Knochenschwund
· Nierenprobleme
· Erhöhte Allergiebereitschaft
· Belastung der Leber
· Gastroentestinale Beschwerden
· Hypertonie, kardiovaskuläre Risiken u.a.
Einfluss auf das Mikrobiom
Weniger bewusst ist Vielen, dass PPI’s ebenfalls einen großen Einfluss auf das Mikrobiom haben, selbst bei kurzfristiger Einnahme. Ähnlich den negativen Folgen von Antibiotika schwächen auch Säureblocker die physiologische Darmflora.
Die PPI’s stören zunächst die Vorverdauung im Magen. Dies führt zu einer Überforderung des Dünndarms, denn die fehlende Magensäure behindert dort die enzymatische Aufspaltung. Dies wiederum führt zu erhöhten Verdauungsrückständen, was schließlich den Wachstum von Fäulnis- und Krankheitskeimen, v.a. Clostridium difficile, begünstigt. Eine klassische Kettenreaktion, die das gesamte System belastet.
Bauch und Körpermitte
Von Kindern kennen wir den Effekt, dass sie bei Schmerzen auf den Bauch zeigen und jedes Missempfinden als „Bauchweh“ deklarieren. Unsere Körpermitte verdient jedoch auch im Erwachsenenalter unsere Aufmerksamkeit. Insbesondere stressinduzierte Beschwerden evozieren häufig ein ungerichtetes Unwohlsein in diesem Bereich.
Und so begegne ich in der Praxis bspw. dem Teenager mit Verdacht auf eine Magenschleimhautentzündung oder dem viel beschäftigten Manager, mit gastroösophagealen Reflux und der berufstätigen Mutter von zwei Kindern, die vor Stress keinen Appetit mehr zeigt und einen „Reizmagen“ entwickelt hat.
Allen wurde kurzfristig durch die Verordnung von PPI’s geholfen. In der Regel stellt sich eine vorübergehende Besserung ein, bis die Symptome wiederkehren und sich andere diffuse Beschwerden dazugesellen.
Gute Resultate bei stressinduzierten Beschwerden
Nahezu alle Patienten profitieren von einem guten Stressmanagement plus individueller Behandlung: der Jugendliche, der die Magenschmerzen vielleicht aufgrund von Prüfungsängsten entwickelte, der Manager, dessen Speisebrei in die falsche Richtung läuft und auch die Mutter, deren Reizmagen die Folge einer Übersättigung der täglichen Mental Load ist.
Die Therapie besteht v.a. aus der Regulierung des vegetativen Nervensystems und der Stärkung des Funktionskreises Magen und Milz. Aus Sicht der TCM ist unsere „Mitte“ mit Milz und Magen essenziell für eine gesunde Verdauung, den Stoffwechsel und die Energieproduktion. Der Begriff Verdauung beschränkt sich hierbei nicht nur auf die rein stoffliche Nahrungsverarbeitung, sondern auch auf die geistige und emotionale Verdauung sämtlicher Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln.
Shiatsu und Akupunktur können sehr gut helfen, die meist vorherrschende Hitze (= Entzündung) im Magen zu reduzieren, das System zu besänftigen oder die korrekte Flussrichtung des Speisebreis (von oben nach unten) wieder herzustellen und neue Energie zu gewinnen. Bei großer psychischer Belastung hat sich die Ergänzung mit Ohrakupunktur bewährt.
Begleitend eignen sich überdies unterschiedliche pflanzliche Mittel sowie Mineralien, Vitamine und Spurenelemente zur Therapiebegleitung.
Auch selbst kann man einiges tun, um das Wohlgefühl von Magen und Milz zu stärken. Hier ein kleiner Überblick:
· Regelmäßige Essenszeiten einhalten und gut kauen
· Verzicht auf Säurelocker (z.B. Frittiertes, Gegrilltes, Kaffee, Alkohol, Zucker…)
· Atemübungen (zur Bewegung des Zwerchfells)
· Wärmeauflagen
· Kamille, Schafgarbe
· Kartoffelsaft
· Heilerde
· Entspannungsübungen
Wie so oft ist es beruhigend, um die schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten mit PPI‘s zu wissen, sofern eine ernstzunehmende Diagnose vorliegt. In vielen anderen Fällen, insbesondere bei unklarer Genese, kann die naturheilkundliche Therapie eine gute und vor allem nebenwirkungsarme Alternative sein.
Für Ihre Gesundheit!